„Rheinsberger Hofkapelle“
„Die kronprinzliche Kapelle bestand damals schon aus den geschicktsten Tonkünstlern. Die beyden Gebrüder Graun, zwey Brüder Benda, Hr. Chart, Hr. Blume, Hr. Grunke spielten die Violine, Hr. Hock das Violincell, Hr. Janitsch das Lautenviolon, Hr. Petrini die Harfe, Hr. Baroni die die Theorbe, Hr. Reich die Bratsche, Hr. Schaffrath den Flügel und zwey Waldhornisten, worunter Hr. Horgitzky war.“
(Friedrich Nicolai: “Beschreibung des Lustschlosses und Gratens seiner Königlichen Hoheit des Prinzen Heinrich, Bruder des Königs, zu Rheinsberg wie auch der Stadt und die Gegend um dieselbe“, 1778)
Friedrich II. nahm 1740 alle Rheinsberger Musiker als „Capell-Bediente“ mit nach Berlin, wo sie den Grundstock der heutigen Staatskapelle in der „Lindenoper“ bildeten. Während der Erforschung der Rheinsberger Musikgeschichte (siehe Buchprojekte und Notenherausgaben) entstand eine reizvolle Idee: Die Rekonstruktion der historischen Kapellbesetzung. Seit dem Jahr 2000 vergibt die Musikakademie Rheinsberg jährlich den juristisch geschützten Titel „Rheinsberger Hofkapelle“ an ein junges Ensemble, das über die nötige Interpretationskunst verfügt, auf historischen Instrumenten eine über Jahrhunderte unbekannte Musik wiederbeleben zu können. Die reichhaltige Bibliothek der Musikakademie mit Rheinsberger Hofmusik soll die heutigen Hofkapell-Mitglieder anregen, sich den Kompositionen aus der Zeit der Vorklassik zu widmen – sie zu spielen, ihr Notenmaterial herauszugeben und für die Verbreitung auf Tonträgern zu sorgen.
Diese Förderung junger Musiker wurde bisher zuteil:
- 2000 Ensemble „Il fiocco“ (Bremen)
- 2001 Ensemble „barock a.c.c.u.u.t.“ (Leipzig)
- 2002 Ensemble „Der vergessene Prinz“ (Berlin/Rheinsberg)
- 2003 Ensemble „Stella maris“ (Weimar)
- 2004 Ensemble „Gold&Gebein“ (Berlin)
- 2005 Ensemble „Die Musicalische Versammlung“ (Potsdam/M.)
- 2006 Ensemble „Ambrosia Quartett“ (Berlin)
- 2007 Ensemble „La Cavalletta“ (Leipzig)
- 2008/2009 Ensemble "Die Ausatmer" (Potsdam)
- 2010 Ensemble "DIDEROT"
Die aktuelle Hofkapelle:
Das Ensemble DIDEROT
Jüngst von vier der vielversprechendsten jungen Instrumentalisten der historischen Aufführungspraxis Europas gegründet, wurde das Ensemble DIDEROT schnell bekannt für seine lebensvollen, virtuosen Interpretationen der Musik des 17. und 18. Jahrhunderts und entwickelt sich zu einer der kunstvollsten, originellsten Kammermusikgruppen in Europa.
Benannt nach dem brillanten, vielseitigen Schriftsteller der Aufklärung Denis Diderot, widmet das Ensemble sich vorrangig der Interpretation und Erforschung des Triosonatenrepertoires in seiner originalen und klangvollsten Besetzung mit zwei Violinen, Cembalo und Cello.
Der besondere Stil des Ensemble Diderot war von Beginn an hörbar, ein intensiver maskuliner Klang, außerordentliche Akkuratesse in Phrasierung und Artikulation, die inspirierte und schöpferische Auseinandersetzung mit der historischen Aufführungspraxis. Alle vier Ensemblemitglieder sind auf das Spiel historischer Instrumente spezialisiert, ausgebildet von führenden europäischen Musikern an Instituten wie der Guildhall School of Music and Drama in London, der Schola Cantorum in Basel und dem Pariser Conservatoire.
2010 wird das Ensemble als „Rheinsberger Hofkapelle“ in der Schlossanlage von Friedrich dem Großen und Prinz Heinrich von Preußen in Rheinsberg/Brandenburg residieren und dort fünf Projekte von der französischen und deutschen Triosonate zu größeren „Orchester“ programmen mit Bachs Ouvertüren und französischen Barock-Konzerten verwirklichen.
Ensemble DIDEROT, das sind:
Johannes Pramsohler (Violine)
Bojan Čičić (Violine)
Tomasz Pokrzywiński (Violoncello)
Marc Meisel (Cembalo)


